Enterprise Architecture

Enterprise Architecture Management Teil II: Die Richtung bestimmen

Im ersten Teil unserer EAM-Reihe haben wir darüber berichtet, wie wichtig es ist, bei der Einführung von Enterprise Architecture Management von Anfang an die wichtigsten Stakeholder im Unternehmen mit ins Boot zu nehmen. Heute geht es um die Wahl des richtigen Betriebsmodells.

Die Anforderungen an das IT-Management haben erheblich zugenommen. Durch die wachsenden Anforderungen der digitalen Transformation, Datenflüsse in Echtzeit, den Übergang von On Premise zu Cloud Lösungen und die exponentiell wachsende Anzahl von Datenlieferanten und -Konsumenten wird es immer schwerer, den Durchblick zu behalten. Die fehlende Transparenz in der IT-Landschaft ist ein Risiko, dem mit herkömmlichen Methoden und Excel-Tools nicht mehr beizukommen ist. Genau hier setzt Enterprise Applikation Management (EAM) an. EAM hilft Ihnen, eine saubere IT-Architektur aufzubauen und in Echtzeit zu managen. So erhalten Sie einen transparenten Überblick, erkennen wichtige Abhängigkeiten, reduzieren die Time-to-Value, erkennen Risiken und reduzieren deren Auswirkungen.

Doch welche Anforderungen werden an das EA-Management in Ihrem Unternehmen gestellt? Hier gilt wie so häufig: Es gibt keine einheitliche Definition, die für alle Unternehmen geleichermaßen passt. Eine wichtige Rahmenbedingung sollten Sie daher gleich zu Beginn festlegen: Welches IT-Betriebsmodell passt am besten zu meinem Unternehmen und unserer Unternehmensstruktur?

Faktor 2: Wählen Sie das richtige IT-Betriebsmodell

Wenn Sie, wie im ersten Teil beschrieben, ein effizientes Enterprise Architecture Management Board mit Ihren wichtigsten Stakeholdern aufgebaut haben, sollten Sie nun den Input dieser Interessengruppen verarbeiten:

  • Welche Erwartungen verbergen sich hinter den Anforderungen?
  • Auf welche Rahmenbedingungen und Besonderheiten des Unternehmens muss geachtet werden, zum Beispiel der Unternehmenskultur, Unternehmensstruktur, Limitierungen und Potenziale?
  • Welche mittel- bis langfristigen Ziele hat das Unternehmen, welche organisatorischen Veränderungen sollen durch die Enterprise Architecture unterstützt werden?

Es ergibt in dieser Phase Sinn, diese Rahmenbedingungen sauber zu dokumentieren, zum Beispiel in Form eines Operating Model Canvas. Damit schaffen Sie eine stabile Basis für den nächsten Schritt: die Definition eines passenden IT-Betriebsmodells für Ihre Organisation. Es werden vier Grundtypen2 von Betriebsmodellen unterschieden:

Koordination

Das koordinierte Betriebsmodell zeichnet sich durch gemeinsame Kunden-, Produkt- oder Lieferantendaten, aber operativ eigenständige Geschäftseinheiten aus. Die Prozessstandardisierung ist gering. Allerdings sind diese Geschäftseinheiten miteinander vernetzt, und die Prozesse sind tief integriert. Die IT-Infrastruktur und Middleware wird ebenfalls zentral zur Verfügung gestellt, Kunden- und Produktdaten werden zentral verwaltet. Wählen Sie dieses Betriebsmodell, wenn Ihre Organisation aus autonomen Bereichen besteht, die eine höhere Gestaltungsfreiheit bezüglich ihrer Geschäftsprozesse haben, zum Beispiel, um sie an ihre spezifischen Anforderungen und Prozesse anzupassen.

Vereinheitlichung

Das vereinheitlichte Betriebsmodell bietet sich bei stark zentralisierten Organisationen an. Geschäftsprozesse sind weitgehend standardisiert, Kunden und Lieferanten lediglich geografisch verteilt. Alle Geschäftseinheiten arbeiten nach ähnlichen Abläufen, die auf denselben Prozessdefinitionen basieren. Produkt- und Kundendaten werden zentral verwaltet, die IT-Systeme und Infrastruktur zentral bereitgestellt. IT-Entscheidungen zur Strategie, Technologie und zu Anwendungen werden ebenfalls zentral getroffen. Dieses Betriebsmodell soll daher die weitestgehende Standardisierung der Geschäftsprozesse in allen Unternehmensbereichen unterstützen.

Diversifizierung

Das diversifizierte Betriebsmodell ist sinnvoll, wenn die einzelnen Unternehmensteile weitestgehend autark und unabhängig voneinander agieren. Sie haben, wenn überhaupt, nur wenige gemeinsame Produkte, Kunden oder Lieferanten. Es erfolgt auch keine übergeordnete Standardisierung und keine Integration von Geschäftsprozessen. IT-Entscheidungen werden dezentral getroffen und können sich von Bereich zu Bereich gravierend unterscheiden. Es ist aber möglich, dass die Stammorganisation einzelne zentrale „Shared Services“ und Infrastrukturtechnologie anbietet, die von den Geschäftseinheiten bei Bedarf genutzt werden können.

Replikation

Auch bei dem Betriebsmodell der Replikation gibt es nur wenige gemeinsame Kunden oder Lieferanten. Aber die autonomen Geschäftseinheiten nutzen bewährte, unternehmensweit vereinheitlichte Prozessdefinitionen, Best Practices und gemeinsame Services und IT-Dienste als Blaupause für ihre eigenen Geschäftsprozesse. Daten und Informationen werden aber lokal verwaltet und nicht unternehmensweit geteilt, und es gibt nur wenige übergreifende Prozesse und Schnittstellen. Ein typisches Anwendungsfeld für dieses Betriebsmodell sind beispielsweise Franchise-Unternehmen.

Warum ist die Auswahl eines Betriebsmodells so entscheidend? Ganz einfach: Jedes Unternehmen tickt anders. Und Betriebsmodelle liefern einen vereinfachten Bauplan für die passende IT-Organisation. Und hier gibt es signifikante Unterschiede: Ein Modell, das bei einer stark zentralisierten Organisation hervorragend funktioniert, wird bei einer dezentralen Organisation aus autonomen Geschäftseinheiten kläglich scheitern. Wichtig ist, dass Sie die Entscheidung für ein passendes Betriebsmodell nicht ausschließlich auf Basis des aktuellen Status quo fällen, sondern das Modell muss das „Target Operation Model“, TOM, oder Zielbetriebsmodell des Unternehmens beschreiben. Es ist daher stark von der mittel- bis langfristigen Unternehmensstrategie abhängig. Wählen Sie daher das Betriebsmodell (Koordination, Vereinheitlichung, Diversifizierung oder Replikation), welches am besten zu Ihrer Organisation passt, und stimmen Sie diese Entscheidung mit Ihren Stakeholdern ab. Damit schaffen Sie eine der wichtigsten Leitplanken für die kommenden Schritte.

So finden Sie das richtige IT-Betriebsmodell für Ihr Unternehmen

  1. Klären Sie zunächst welche Struktur Ihr Unternehmen hat, und erstellen Sie z.B. ein Operating Model Canvas.
  2. Berücksichtigen Sie dabei die zukünftige Entwicklung, soweit es möglich ist, z.B. anstehende Reorganisationen.
  3. Wählen Sie das hierzu passende IT-Betriebsmodell.
  4. Stimmen Sie diesen Vorschlag mit ihrem Enterprise Architecture Board ab und legen Sie das Betriebsmodell fest.

Nun kennen Sie einen weiteren Erfolgsfaktor für die Einführung eines effektiven EA-Managements. Im dritten Teil geht es um den Aufbau eines EAM-Power-Teams!

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2Ross, Weill, Robertson: Enterprise Architecture as a Strategy. HBS Press, 2006

Ich helfe Unternehmen beim Aufsetzen von digitalen Geschäftsmodellen und Infrastrukturprojekten. An der FOM Hochschule für Oekonomie & Management in Hamburg bin ich regelmäßig Gastdozent für digitale Strategie, Prozess- und Change Management.